Aus der LC-Schublade
Die Geschichte der Lauftreffs
Die Geschichte des Lauftreffs: Wie eine Bewegung Deutschland – und das Saarland – eroberte
Wer heute die Laufschuhe schnürt und sich einer Laufgruppe anschließt, genießt ein Stück Lebensqualität, das vor gut fünfzig Jahren noch undenkbar war. Damals galt das „Dauerlaufen“ im Wald als exotisches Hobby für Einzelgänger. Heute ist der Lauftreff eine der erfolgreichsten Breitensport-Institutionen Deutschlands. Doch wie fing eigentlich alles an?
Der Funke in Dortmund: Enzio Busche und eine Beobachtung
Die Geburtsstunde der klassischen Lauftreff-Bewegung liegt im Jahr 1974. Der Dortmunder Druckereibesitzer Enzio Busche machte damals eine interessante Entdeckung in seinem eigenen Betrieb: Ein Mitarbeiter nutzte die Mittagspause regelmäßig für einen Dauerlauf im Freien, statt in die Kantine zu gehen. Busche stellte fest, dass dieser Angestellte überdurchschnittlich fit, selten gestresst und so gut wie nie krank war.
Fasziniert von dieser Beobachtung begann Busche nicht nur selbst mit dem Laufen, sondern entwickelte eine Vision: Er wollte die breite Bevölkerung in Bewegung bringen – und zwar gemeinsam. Er organisierte in Dortmund den allerersten offiziellen Lauftreff Deutschlands.
Die medizinische Revolution: Dr. Ernst van Aaken
Unterstützung fand die Idee in den visionären Thesen des Sportarztes Dr. Ernst van Aaken. Bereits seit den späten 1940er-Jahren predigte er unermüdlich das Prinzip des langsamen, aber ausdauernden Trabens („Laufen ohne zu schnaufen“).
Dr. van Aaken war seiner Zeit weit voraus. Er wies wissenschaftlich nach, dass regelmäßiges Ausdauertraining die klassischen Risikofaktoren des modernen, „zivilisierten“ Menschen drastisch senken kann:
- Körperliche Fitness: Effektiver Abbau von Übergewicht, Stress und Bluthochdruck sowie die Regulierung von Blutzucker- und Blutfettwerten.
- Prävention: Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten und Beschwerden, die durch Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen im Alltag entstehen.
- Selbstständigkeit: Der Erhalt der Beweglichkeit bis ins hohe Alter als Fundament für ein unabhängiges Leben.
- Seelische Balance: Ein nachweislich verbessertes Körpergefühl, das die psychische Gesundheit stabilisiert und den Alltagsstress abbaut.
Neben den körperlichen Vorzügen betonte van Aaken immer auch die soziale Komponente: Das gemeinsame Laufen in der Gruppe schafft ein einzigartiges Gemeinschaftsgefühl und wirkt der Vereinsamung in unserer Gesellschaft entgegen.
Vom Trimm-Dich-Boom zum organisierten Verbandssport
Was als kleine Initiative begann, entwickelte sich rasch zu einem bundesweiten Phänomen. In den ersten Jahren wurden die Lauftreffs im Zuge der großen „Trimm-Dich“-Aktionen direkt beim Deutschen Sportbund (DSB) koordiniert. Im Jahr 1979 ging die offizielle Betreuung schließlich in die Hände des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) über.
Die damalige Grundidee gilt heute im Jahr 2026 unverändert: Jede Person – insbesondere der untrainierte Laufeinsteiger – soll die Möglichkeit bekommen, unter fachkundiger Anleitung und in verschiedenen Leistungsgruppen ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining zu absolvieren. Wer sich für aktuelle Programme, Abzeichen und die offiziellen Richtlinien interessiert, findet alle wichtigen Informationen direkt beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).
Der Sprung an die Saar: Eine ganz besondere Laufkultur
Die Begeisterung schwappte Mitte der 1970er-Jahre in Rekordzeit ins Saarland über. Schon im September 1975 gründeten sich an der Saar die ersten Laufgemeinschaften (wie die LLG Wustweiler), kurz darauf folgten die Lauftrefffreunde Marpingen (1980) und viele weitere regionale Gruppen.
Gerade hier im Saarland entwickelte sich eine ganz eigene, besonders herzliche Laufkultur. Neben der sportlichen Aktivität im Wald stand von Beginn an die Geselligkeit, das Miteinander und die berühmte „dritte Halbzeit“ im Fokus. Aus den lockeren, kostenfreien Treffpunkten auf Waldparkplätzen wuchsen im Laufe der Jahrzehnte eigenständige Vereine, die den Breitensport bis heute prägen – auch wenn sich der Schwerpunkt im Laufe der Generationen verschoben hat: Die Geselligkeit und das gemütliche Quatschen nach dem Lauf sind geblieben, doch der Fokus liegt heute ganz zeitgemäß auf der sportlichen Erholung statt auf ausschweifenden Feiern.
Der Lauftreff heute (Stand 2026)
Heute, über 50 Jahre nach den ersten Schritten in Dortmund, ist das Angebot so vielseitig wie nie zuvor. Aus den ursprünglichen reinen Laufgruppen ist ein riesiges Netzwerk geworden: Deutschlandweit gibt es mittlerweile weit über 4.500 registrierte Lauf-, Walking- und Nordic-Walking-Treffs.
Kaum eine andere Sportbewegung kann auf eine so langfristige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Der Lauftreff ist und bleibt die unkomplizierteste und effektivste Lebenshilfe für Körper und Geist.







